Regeln und Rituale

Neuankömmlinge in unserem Schulsystem, die leidvolle Zeiten durchlebt oder schon längere Zeiten auf der Straße sich durchgeschlagen haben, fühlen sich eher verängstigt und unsicher. Für sie ist es ein absoluter Kulturschock, wenn sie unseren demokratisch geprägten, offenen Unterricht erleben und sich darin noch nicht zurechtfinden können.

Ihnen helfen gleichbleibende Regeln und stetig wiederkehrende Rituale, weil sie Sicherheit und ein Stückchen Gewöhnung vermitteln. Besonders gut gelingt es natürlich im Ganztagsbetrieb einer Schule, eine Rhythmisierung zwischen Arbeit und Pause, am Platz sitzen und Bewegung, drinnen und draußen sein, herzustellen.

Lehrkräfte, die z.B. ein Morgen- und ein Abschiedsritual in ihren Unterricht einbauen können, sind hier im Vorteil. Klassen, die ein Begrüßungsritual zu Beginn des Unterrichts schätzen, zeigen dem Neuankömmling auch ihre Wertschätzung und Achtung. Dem Sportlehrer kommt eine gewichtige Stellung zu, ist er doch sehr häufig Identifikationsperson für die Jungen und derjenige, der durch genügend Anstrengung bei Ball- und anderen Sportspielen zum Abbau von Aggressionen beitragen kann. Menschen, die in ihrer Kultur gewohnt waren, den ganzen Tag unter freiem Himmel zu verbringen, ist es unerträglich, stets in einem evtl. zu engen Raum sein zu müssen. Bei der Stundenplangestaltung ist ebenfalls auf eine gute Rhythmisierung und den Biorhythmus von Schülern und Jugendlichen zu achten. Ein gut gegliederter, abwechslungsreich gestalteter Pausenhof mit der Möglichkeit für Ruheplätze, aber auch für Sport und Spiel, ist ein Segen für Schüler und Lehrer.

Ästhetisch ansprechend ausgestaltete Schulhäuser werden weniger beschädigt oder beschmutzt als bereits schmuddelig aussehende Wände und Räume. Werden Schüler aufgefordert, selbst für die Ordnung und Sauberkeit ihres Umfeldes Verantwortung zu übernehmen – und haben auch die Lehrpersonen ein Augenmerk darauf – dann gelingt es eher, den sauberen oder schönen Eindruck eines Gebäudes zu bewahren. Von den Schülern selbst angefertigte Kunstwerke bleiben ebenso unangetastet.

Das ganze Kollegium und die Schulgemeinde müssen bei einer Hausordnung mitgearbeitet haben, um sich für das Bewahren und Erhalten verantwortlich zu fühlen. Diese Sauberkeit und Schönheit werden oft von Menschen anderer Kulturen als besonderes Alleinstellungsmerkmal von uns „Deutschen“ empfunden.  

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