Spielend neuen Umgang lernen

IMAG0905 frei 400 bEin Kind braucht bis zum 6. Lebensjahr acht Stunden Spiel pro Tag, so heißt es. Für die kindliche Entwicklung ist das sehr wichtig, denn im Spiel können die Kinder ihre seelischen, geistigen und körperlichen Möglichkeiten entfalten. Für Kinder gibt es daher keine bessere Förderung, als ihnen genügend Zeit und Raum zum Spielen zu geben. Das gilt für jedes Kind gleichermaßen, also sicher auch für die kleineren und größeren, für die in Deutschland geborenen wie für die Kinder, die anderswo geboren sind oder deren Familie aus einem anderen Land stammt. Spielen ist international und Kinder spielen immer ernsthaft.

In vier grundlegenden Kompetenzbereichen ist das Spielen besonders förderlich:

  1. im emotionalen Bereich: Erkennen, Erleben und Verarbeiten von Gefühlen; besseres Verarbeiten von Enttäuschungen und Versagungen; leichteres Ertragen von Situationen; geringere Aggressionsbereitschaft; stärker ausgeprägte Belastbarkeit; größere Ausdauer; Erleben einer größeren Zufriedenheit; ein gleichwertigeres Verhältnis der Grundgefühle Angst, Freude, Trauer, Wut.
  2. im sozialen Bereich: besseres Zuhören-Können bei Gesprächen; geringere Vorurteilsbildung anderen Menschen gegenüber: bessere Kooperationsbereitschaft; höheres Verantwortungsempfinden; höhere Regelakzeptanz, bessere Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten; intensivere Freundschaftspflege.
  3. im motorischen Bereich: Kinder besitzen hier eine raschere Reaktionsfähigkeit, eine fließendere Gesamtmotorik, eine bessere Auge-Hand-Koordination und eine differenziertere Grob- und Feinmotorik, ein besseres Balance-Empfinden für ihren Körper sowie eine gelungenere Absichtssteuerung.
  4. im kognitiven Bereich: Kinder zeigen ein besseres sinnverbundenes Denken (logisches Denken), eine höhere Konzentrationsfertigkeit, bessere Gedächtnisleistungen, eine höhere Wahrnehmungsoffenheit, einen differenzierteren Wortschatz, eine differenziertere Sprache, ein besseres Mengen-, Zahl-, Farb- und Formverständnis, eine größere Fantasie und ein klügeres Durchschauen von Manipulationsversuchen.

Zu den vier Bereichen vgl. http://www.kindergartenpaedagogik.de/418.html.

Im Ganzen betrachtet gewinnen Kinder durch das Spielen ein viel größeres Weltwissen. Und natürlich sind es nicht nur die Kleinen, die gerne spielen.

Spielen ist Lernen

Lernen als reines Ansammeln von Wissen zu verstehen, passt schon lange nicht mehr zum Verständnis der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dennoch wird Lernen häufig noch als Ergebnis der sichtbaren Arbeit von Schülern bewertet, zum Beispiel als auswendig gelernte Liedtexte, als Buchwissen, als Fähigkeit, den eigenen Namen zu schreiben und vieles mehr.

Im Spiel handeln Kinder und Jugendliche dagegen in realen Lebensbezügen und erwerben Kompetenzen, die sie unmittelbar brauchen. Dazu gibt es unglaubliche viele Möglichkeiten: Entdeckungs- und Wahrnehmungsspiele, Gestaltungs- und Geschicklichkeitsspiele, Konstruktions- und Bauspiele, Steck- und Strategiespiele, Bewegungs- und Musikspiele, Finger- und Handpuppenspiele, Schatten- und Marionettenspiele, darstellendes Spiel und Interaktionsspiele, Aggressionsspiele zum Austoben und Ruhe-/Meditationsspiele, Rollen- und Emotionsspiele, Imitations- und spannende Planspiele, Märchen- und Mobilitätsspiele.

Mit dem Angebot zum Spielen bieten wir jungen Migranten die Möglichkeit, den Umgang im neuen kulturellen Umfeld zu üben, auf andere Menschen zuzugehen, Selbstwert zu erfahren und Orientierung zu finden. Konkrete Anregungen dazu können Sie sich aus unserer Spieleliste holen.

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