1. Hören

Das Hören ist der erste Sinn, den das Kind ausbildet. Die Entwicklung der auditiven Wahrnehmung beginnt bereits vor der Geburt. „Bereits intrauterin nimmt der Fötus die Stimme der eigenen Mutter wahr und ist einigen Charakteristika der Umgebungssprache ausgesetzt.“ (Scharff Rethfeldt, 2013, S.86) Das Kind erlernt im Laufe der ersten Lebensmonate und -jahre aber nicht nur einzelne Phoneme und Wörter, sondern auch Betonung, Prosodie seiner Umgebungssprache(n) und die dadurch entstehenden Bedeutungsunterschiede. Für die weitere Sprachentwicklung ist das Hören und Zuhören von großer Bedeutung. Im Dialog mit seinem Umfeld, durch genaues Hinhören, Zuhören und durch Nachahmen erweitert das Kind sein sprachliches Repertoire, seine Fähigkeiten im Verstehen und in der Sprachproduktion und ist in der Lage zu kommunizieren.

Von besonderer Wichtigkeit ist das Hören als rezeptive Fähigkeit beim Zweitspracherwerb. Der Lerner erlernt die Aussprache über das Hören, nimmt Wörter und sprachliche Strukturen im Dialog als Input auf und verarbeitet diese für die eigene Sprachproduktion. Auf Lernerseite besteht beim Hören und Hörverstehen ein „Analyseproblem“. Er hat die schwierige Aufgabe, Äußerungen innerhalb eines Situationskontextes zu analysieren, also „in kleinere Einheiten zu zerlegen und mit Parallelinformationen zu verknüpfen.“ (Eckhardt, 2014, S.255).

„In einer Minute werden- je nach Sprechtempo- 120 bis 180 Wörter gesprochen.“ (Apeltauer, 2014, S.249) Daher sind sprachsensible Kommunikationspartner, die ihr Sprechtempo gegebenenfalls variieren und durch Sprechpausen Wort- und Satzgrenzen verdeutlichen, und Bedeutungssicherung im Diskurs unterstützende Faktoren in diesem Zusammenhang.

Beim Schriftspracherwerb ist die akustische Wahrnehmung und Diskrimination der Phoneme essentiell für das Schreiben. „Das bewusste und korrekte Heraushören von Lauten, Silben und Sprachmelodien der Zweitsprache (phonologische Bewusstheit), wenn möglich auch im Kontrast zur Erstsprache, ist eine Voraussetzung für die korrekte Aussprache, den Schriftspracherwerb sowie für eine angemessene Rechtschreibung.“ (Lehrplan Plus Grundschule, DaZ 2.2) Höreindrücke sind allerdings flüchtig. Hörverstehen ist ein komplexer Vorgang, der eine gleichzeitige Wahrnehmung und Verarbeitung auf der akustisch- phonetischen, syntaktischen, lexikalisch- semantischen und kontextuellen Ebene erfordert.

Hörverstehen im Unterricht

Hörtexte

Hörtexte müssen einfacher sein als Lesetexte. Sie sollten inhaltlich klar, strukturiert und in ihrer Redundanz dem Sprachstand der Schüler angemessen sein. Nebengeräusche und Musik können den Höreindruck unterstützen, sollten aber vom Spracheindruck ablenken.

Hördateien von elektronischen Medien und das Vorlesen von Bilderbüchern bieten die Möglichkeit, den Höreindruck zu wiederholen, zu unterbrechen, zu entlasten und so den Verstehensprozess zu unterstützen. Zu beachten ist, dass Aufgaben, die während des Hörens zu bearbeiten sind, einfach gehalten sein sollten, um nicht zu stark vom Höreindruck abzulenken.

Übungen zum Hörverstehen bei Texten

allgemeine Übungen zum Hörtraining

Lehrersprache

Die Lehrersprache sollte Hörverstehensprozesse unterstützen, indem auf klare Aussprache, angemessenes und variables Tempo sowie eine passende Wortwahl geachtet wird.

Literatur:

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