2. Sprechen

Ein Sprecher verfolgt mit seiner Äußerung eine bestimmte Absicht und ist darauf angewiesen, dass er verstanden wird. Sprechen ist also ökonomisch- pragmatisch geleitet und beinhaltet nach Roche drei Aspekte (2008, S. 131): den formalen, den inhaltlichen und den Wirkungsaspekt. Weiterhin ist es von nonverbalen Elementen begleitet, die die Sprecherabsicht unterstützen und teilweise kulturellen Standards entsprechen.

Demzufolge setzt Sprechen Kompetenzen auf verschiedenen Ebenen voraus:

Ziel im Rahmen des Spracherwerbs ist die verständliche und wirksame Rede, sowie Darstellungs- und Diskussionsfähigkeit. „Da die Sprache das zentrale Mittel aller schulischen und außerschulischen Kommunikation ist, setzt schulischer Lernerfolg Verstehen, ausdauerndes und Inhalte verknüpfendes Zuhören sowie Mitredenkönnen in der Unterrichtskommunikation voraus.“ (Lehrplan Plus Grundschule, DaZ 2.2) Teil der Sprechkompetenz sind auch Kompensationsstrategien wie Umschreiben, Annäherung und Nachfragen, die immer wieder explizit herausgearbeitet und trainiert werden sollten.

Sprechen wird durch Sprechen gelernt. Es gilt also Lernsituationen zu schaffen und zu nutzen, in denen dialogisches und monologisches Sprechen möglich ist.

Sprechförderung im Unterricht

freie und rituelle Gesprächssituationen

In freien kommunikativen Situationen machen die Schüler Sprach- und Sprecherfahrungen, erproben Möglichkeiten der Verständigung nach ihren jeweiligen Fähigkeiten und lernen voneinander. Ritualisierte Gesprächssituationen wie z.B. ein Morgenkreis geben Möglichkeit zu gezielten und gegebenenfalls „teil-standardisierten“ Äußerungen. Rituelle Satzmuster oder Satzanfänge, Utensilien wie der MIM- Würfel und sich wiederholende Abfolgen geben Sicherheit und sprachliche Unterstützung. Vor allem zurückhaltende Sprachanfänger brauchen gegebenenfalls Zeit, bis sie sich eine aktive Teilnahme zutrauen. Eine angst- und leistungsfreie Atmosphäre, in der Normabweichungen keine „Fehler“ sind, unterstützt Entwicklungsprozesse.

Aussprache und Artikulation trainieren

gebundene Sprechsituationen

In jedem Fach, nicht nur im Deutschunterricht, werden immanente Kommunikationsanlässe im Plenum oder innerhalb von Gruppen- oder Partnerarbeit genutzt, sowohl zum „freien“ Erproben von Sprache im Kontext des Lernthemas, als auch um erarbeitete sprachliche Strukturen anzuwenden. Lebenspraktische Standard- oder Gesprächssituationen wie Einkaufen, nach dem Weg fragen, Arztbesuch etc. werden didaktisch aufbereitet, in dem Wortschatz, Redemittel, Satzstrukturen und grammatikalische Phänomene vorab erarbeitet und trainiert werden.

Methodenvorschläge

Schüleraktivierung

Schüleraktivierende Lernmethoden erhöhen den Sprachanteil der Schüler und sollten als Unterrichtsprinzip eingesetzt werden. Scheue Schüler und L2- Lerner, die in Regelklassen gemeinsam mit einer Mehrheit von erstsprachig deutschen Schülern unterrichtet werden, sollten mit besonderer Aufmerksamkeit in den Unterricht einbezogen werden.

Literatur:

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