Lebensnahes authentisches Lernen

Der Lehrplan Deutsch als Zweitsprache des Bayerischen Kultusministeriums schreibt: „Die unmittelbare Erfahrungswelt der Lernenden wirkt sich effektiv und motivierend auf den Spracherwerb aus ... Für die Lernenden ist es wichtig, sprachlich das thematisieren zu können, was sich aus ihrer Migrationssituation, ihrer Lebensperspektive, aber auch aus ihrem Alltagsleben und ihren Gefühlen ergibt.“

Wichtig im Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht ist immer, dass die Lernenden Kompetenzen erreichen, die es ihnen ermöglichen, für sie persönlich wichtige, notwendige und interessante Inhalte sprachlich zu bewältigen (hören – sprechen – lesen – schreiben). Diese Kompetenzen sollen sich von der schulischen auf die außerschulische Lebenswelt ausrichten. Die Sprache wird ein Hilfsmittel, das Alltagsleben in der neuen Heimat zu bewältigen. Sprachlerner müssen z.B. Informationen lesen, verstehen und erfragen, Formulare ausfüllen können, ganz allgemein, sich im Alltag in ihrer besonderen Lebenssituation als Migranten zurechtfinden können. Themen und Inhalte orientieren sich deshalb an deren Bedürfnissen.

Was wichtig für den Lebensalltag dieser Schüler ist, hängt von ihrer persönlichen Situation ab:

Ganz allgemein gültige Inhalte sind unter anderem sich in der neuen Heimat, in der Schule orientieren können, Uhrzeiten, Fahrpläne lesen, Lernen lernen, einkaufen und mit Geld umgehen können. Ältere Schüler müssen sich zudem in unserer Ausbildungs- und Arbeitswelt zurecht finden. Diese Lerninhalte dürfen sich nicht nur auf den Spracherwerb beziehen, sondern müssen auch Sachkenntnisse vermitteln.

So sind für Schüler die Benennung der Unterrichtsgegenstände und Schulfächer genauso wichtig wie die Orientierung im Schulhaus oder die richtigen Anrede- und Begrüßungsformen. Alltagssituationen können in Rollenspielen, aber auch in Realsituationen geübt werden. Einkaufen lässt sich in Spielform praktizieren und soll im „Tante-Emma-Laden“ oder Supermarkt geübt werden. Das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln und das Lesen der dazugehörigen Fahrpläne bieten sich in der Realität genauso an, wie Übungswerkstätten (Berufsschule) und Praktika bei der Berufsorientierung.

Diese in der Schule erworbenen Kompetenzen auch außerhalb der Schule anwenden zu können, wirkt motivierend und unterstützend beim Spracherwerb. Über die in der realen Welt gemachten Erfahrungen zu reflektieren und sie sprachlich zu vertiefen, hat eine starke Wirkung auf den jeweiligen Lernprozess und ermöglicht eine für das Alltagsleben notwendige Handlungskompetenz. Wenn sich die Lerner in authentischen Lernsituationen befinden, werden Sprachstrukturen und notwendige Fachbegriffe leichter verstanden und erlernt, als dies bei einem rein theoretischen Sprachunterricht der Fall wäre.

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