Generatives Schreiben

Produktiver Umgang mit poetischen Texten

Zweitsprachenlerner verfügen anfänglich nur über wenige lexikalische und grammatische Kenntnisse, sodass für jegliches Schreiben auf Deutsch entsprechend kleinschrittige Schreibhilfen (themenzentrierter Wortschatz, Satzmuster, Textaufbau) zu Verfügung gestellt werden müssen. Durch muttersprachlichen Grammatikunterricht im herkömmlichen Sinn kann das fehlende Wissen der Sprachlernenden kaum oder nur teilweise aufgeholt werden. Das generative Schreiben bietet einen Methodenbaustein, den Grammatikunterricht mit kreativem Umgang mit Texten zu verbinden. 1) Hierbei lesen die Lernenden poetische Texte und gehen produktiv mit diesen Textmustern (Gedichte, Reime, Lieder ... ) 2) um. Sie schreiben (generieren) auf Basis dieser Texte eigene Texte, mit neuem, im Klassenverband gesammeltem Wortschatz. Im Unterschied zu Parallelgedichten werden die Texte nicht nach inhaltlichen, sondern nach grammatischen Phänomenen ausgewählt. Das Übernehmen grammatischer Strukturen und ihrer Veränderung im Kontext des neuen Wortschatzes, ermöglicht entdeckendes Lernen in richtiger Schreibung und Grammatik. So wird in vielsprachigen Lerngruppen verhindert, dass die Lernenden auf ihrem Sprachstand verharren 3) , indem sie sprachliche Strukturen und lexikalisches Wissen erweitern. Dies ist beim rein „Kreativen Schreiben“ nur eingeschränkt möglich, da die geringen Sprachkenntnisse beim Lernenden zur „Fossilisierung“4) , führen können. Die Methode des generativen Schreibens kommt nicht nur Zweitsprachenlernern in vielerlei Hinsicht entgegen: Poetische Texte sind aufgrund ihrer Kürze überschaubar, bieten leichteren Zugang zum Textverständnis und sind beliebig oft wiederholbar. Rhythmus und Reim stellen zusätzliche Hilfen für das Nachsprechen der Texte dar. In der Textneuproduktion verbindet sich kreatives Schreiben mit impliziter grammatischer Übung und ermöglicht Sprachwachstum durch gemeinsame interkulturelle Sprachförderung in vielsprachigen Lerngruppen: „Der produktionsorientierte Literaturunterricht ist somit eine Möglichkeit, literarisches und sprachliches Lernen miteinander zu verbinden.“5)

Anmerkungen

1) Gerlind Belke: Poesie und Grammatik. Kreativer Umgang mit Texten im Deutschunterricht, Baltmannsweiler 2012

2) Gerlind Belke (Hrsg.): Mit Sprache(n) spielen. Kinderreime, Gedichte und Geschichten für Kinder zum Mitmachen und Selbermachen. Textsammlung, Baltmannsweiler 2012

3) Stagnation auf einem „Lernplateau“

4) Bleibende falsche sprachliche Strukturen und falscher sprachlicher Ausdruck, die kaum noch zu korrigieren sind

5) Gerlind Belke: Zehn Thesen zum literarischen und sprachlichen Lernen in mehrsprachigen Lerngruppen: https://www.yumpu.com/s/2PhWpglbI5FOC6jI

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